Vorbemerkungen zur Entwicklung von „Chemie Sekundarstufe I“

Geschichte:

Im Jahr 1989 wurde ein sog. „Zertifikatskurs Chemie“ als „Qualifikationserweiterung für Lehrerinnen und Lehrer an Hauptschulen“ ins Leben gerufen, um dem jahrzehntelangen Missstand entgegenzuwirken, dass an Hauptschulen Chemieunterricht in der Regel fachfremd erteilt wurde. Ziel dieser Lehrerfortbildungsmaßnahme war, interessierte Kolleginnen und Kollegen ohne Fakultas ein Jahr lang einen ganzen Tag pro Woche fachwissenschaftlich und vor allem experimentell auf Inhalte und Methoden von Chemieunterricht in der Sekundarstufe I (SI) vorzubereiten. Nach einer 1-jährigen Planungsphase am (inzwischen leider ehemaligen) Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (LSW) in Soest mit jeweils 2 Moderatoren pro Regierungsbezirk und der Erstellung von themenbezogenem Material fand die Maßnahme vier Jahre lang landesweit in allen Regierungsbezirken statt und wurde dann seitens der Landesregierung für beendet erklärt. Lediglich dem lobenswerten und immerwährenden Einsatz der direkten Betreuer bei der Bezirks­regierung Düsseldorf (zunächst Herr Chargé, später langjährig Herr Müller) sowie des Leiters des Dezernats Lehrerfortbildung, Herrn Dr. Goebbels, ist es zu verdanken, dass dieser Zertifi­katskurs an einer Duisburger Hauptschule weitergeführt und (bis auf 2-malige Unterbrechungen wegen haushaltsbezogener bzw. formaler personeller Entscheidungen) bis zum Schuljahr 2007/2008 einschließlich kontinuierlich unter der Moderation von (zunächst Herrn Bahr, dann überwiegend) Herrn Mischel und mir durchgeführt werden konnte – mit insgesamt jeweils ausgesprochen positiver Rückmeldung seitens der Teilnehmer. Außerdem wurde die Maßnahme nach und nach auch für interessierte Kolleginnen und Kollegen aus anderen Schulformen (Förderschulen, Gesamtschulen, Realschulen und Gymnasien) geöffnet, die bereit waren, nach dieser Fortbildung fachfremd Chemieunterricht in der Sekundarstufe I zu erteilen. Diese Entwicklung sowie während der Fortbildung gewonnene Erfahrungen führten dazu, dass das ursprüngliche Material von mir grundlegend verändert wurde und nun eine Art schulformübergrei­fendes Curriculum mit dem Titel „Chemie SI“ vorgestellt wird, das für die Lehrer-Ausbildung und –fortbildung, aber auch für den unterrichtlichen Einsatz geeignet sein sollte. Betonen möchte ich dabei, dass es sich um einen Maximalkatalog von Inhalten handelt, der zeitlich in der SI nicht abgearbeitet werden kann, sondern aus dem – je nach Schulform sowie Lehrplan – ausgewählt werden muss.

 

Aufbau:

Entlang eines fachbezogenen „roten Fadens“ wurden unterrichtlich direkt umsetzbare sach­liche und experimen­telle Inhalte sowie (unter besonderer Berücksichtigung auch neuerer) Methoden mit stetem Blick auf Alltags­bezüge behandelt.

Der vorgesehene zeitliche Ablauf (09.00-16.00 Uhr) des Fortbildungstages war:

09.00 – 10.30 Uhr: fachliche, didaktische und methodische Hintergründe der anstehenden Thematik mit Demonstrationsversuchen

11.00 – 12.30 Uhr:      Durchführung und Auswertung von Experimenten

13.00 – 16.00 Uhr:      Durchführung und Auswertung von Experimenten

Themenabhängig waren natürlich zeitliche Abweichungen möglich.

Außerdem fanden folgende Veranstaltungen statt:

  • Ein (mindestens 1-tägiges) Sicherheitsseminar (unabhängig von laufenden Sicherheits­hinweisen)
  • Eine Exkursion zu einem regionalen Klärwerk ( auch Wasserwerk) und evtl. Besuch des Aquarius-Museums in Mülheim
  • Eine Exkursion zu einem Hütten- und Stahlwerk der Region (z.B. Hüttenwerke Krupp-Mannesmann in Duisburg)
  • Eine Besichtigung eines „biotechnologischen Betriebes“ mit anschließendem Groß­versuch zur „Alkoholischen Gärung“

 

Deckblatt und Übersicht

 

 

Arbeitsvorschriften:

Wegen der verständlicherweise geringen experimentellen Vorkenntnisse und Erfahrungen der Teilnehmer sind meine Arbeitsvorschriften zu den Versuchen sehr ausführlich und kleinschrittig formuliert worden, so dass ihr Aufbau und ihre Durchführung ggf. auch ohne Bild bzw. Vormachen ermöglicht werden können. Außerdem ist hiermit ein Training für ein späteres selbständiges Arbeiten mit Experimentierbüchern und Artikeln im Internet bzw. in Fachzeitschriften verbunden. Versuchsskizzen wurden bewusst weggelassen, um das eigene Zeichnen von Versuchsaufbauten (nach Beschreibung oder Ansicht) zu üben. Die Gliederung der meisten Arbeitsanwei­sungen orientiert sich an einem Versuchsprotokoll, wobei eigene Beob­achtungen eingetragen und mit möglichen Erklärungen versehen werden sollen. Zusätzlich wurde zu jedem Versuch ein „ausgefülltes Arbeitsblatt“ zu­sammengestellt, das alle wesent­lichen Beobachtungen mit direkt zugeordneten Auswertungen sowie eine Zu­sammenfassung der wichtigsten Ergebnisse in einer möglichst einfachen und durchaus auch auf Schüler zu­geschnittenen Diktion enthält.

Um das Effekthaschen und –heischen, das leider so typisch ist für unsere derzeitige schnelllebige multimediale Zeit, zu minimieren bzw. zu vermeiden, wurden viele Versuche in ihren Abläufen bewusst zeitlich gedehnt, um mehr Beobachtungen zu ermöglichen. Das übergeordnete Ziel:  Erziehung zur Langsamkeit, bei der auch auf Kleinigkeiten stärker Wert gelegt wird.

Außerdem wurden alle Dokumente in Word belassen, um ggf. individuelle Veränderungen zu ermöglichen.

 

Vereinfachte generelle Entsorgungshinweise:

Von den vielen und mehr oder weniger gut durchführbaren Entsorgungsratschlägen bis zur Abholung durch (vom Schulträger zu bestimmende) geeignete Entsorgungsfirmen halte ich nur folgende für einigermaßen praktikabel:

1)  Offenstehender großer Plastik-Behälter mit der Kennzeichnung
Säuren / Basen / Schwermetall-Verbindungen:

Alle Reaktionsansätze mit relativ konzentrierten sauren bzw. basischen Lösungen sowie mit Schwer­metallen und ihren Verbindungen.
Ansätze mit nicht vollständig umgesetztem Kaliumpermanganat mit Natriumsulfit- oder Natrium­hydrogensulfit bis zur Ent- oder vollständigen Braunfärbung behandeln und darin entsorgen.
Vollständiger Verzicht auf den Einsatz von Quecksilber- und Arsen-Verbindungen.

2)  Verschlossener Plastik-Behälter mit der Kennzeichnung
In Wasser schwer lösliche organische Verbindungen:

Darunter fallen z.B. alle Kohlenstoff-Wasserstoff-Verbindungen (z.B. Mineralöl-Produkte wie Benzin, Dieselöl, Lampenöl, Paraffin), nicht aber z.B. Spiritus, Aceton. Genereller Verzicht auf Entstehung oder Verwendung von halogenorganischen Verbindungen.

 

Sicherheitshinweise:

Auch wenn alle Experimente jahrelang erfolgreich praktiziert und direkt oder über Arbeits­vorschriften vermittelt wurden, kann ich keine Gewähr leisten für ihr Gelingen. Aus ebenfalls rechtlichen Gründen übernehme ich keine Verantwortung für die vollständigen und korrekten Angaben von Gefahrstoff-Daten und Sicherheitshinweisen. Da die offiziellen Sicherheits­bestimmungen sich „alle Jahre wieder“ ändern, muss jeder das Fach Chemie Unter­richtende sich über den aktuellen Stand informieren und zu jedem Versuch, bei dem Gefahrstoffe ein­gesetzt werden oder entstehen können, eine Gefährdungsbeurteilung anfertigen sowie auf sinnvolle Ersatzversuche aus­weichen. Daher fehlen im Begleitmaterial zu diesem Kurs auch bewusst solche schriftlichen Gefährdungs­beurteilungen, obschon sie besprochen und den Teilnehmern durchgängig mitgeteilt wurden. Auch fehlen be­wusst ständige Hinweise auf die Verwendung von Schutzbrillen, da ich der Meinung bin, dass generell nur mit Schutzbrillen – egal, bei welchem Versuch – experimentiert werden sollte, um hiermit einen Gewöhnungs­effekt zu erreichen.

 

Summa summarum:  NOBODY IS PERFECT, daher bitte gefundene Fehler mitteilen an:  kontakt@chemie-sek1.de